Pressemeldung zum Welttag der Suizidprävention / 10.09.2018

 Zum Welttag der Suizidprävention wendet sich die TelefonSeelsorge an die Angehörigen

„Niemand bringt sich gerne um. Und es ist an uns allen, dieses Umstandes gewahrt zu werden“, erläutert Ruth Belzner, Vorsitzende der evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür e.V. und Leiterin der TelefonSeelsorge Würzburg. Anlässlich des Welttags der Suizidprävention, der jährlich am 10. September stattfindet, erstellt die TelefonSeelsorge Deutschland eine Handreiche mit zehn Punkten, die den Angehörigen bei Suizidankündigungen eine erste Unterstützung im Umgang mit der Situation geben soll.

In 2017 starben über 10.000 Menschen in Deutschland nach einem vollendeten Suizidversuch. Schätzungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gehen von 100.000 Versuchen jährlich aus.    Laut WHO sind bei einer suizidalen Person rund fünf bis sieben Angehörige unmittelbar mitbetroffen. Sie sind in der Situation selbst in einem Ausnahmezustand und häufig ratlos, wie sie richtig reagieren sollen. Um in dieser Situation eine Handreiche zu geben, stellt die TelefonSeelsorge zehn Punkte vor, die sie in konkreten Situationen beherzigen können. Dabei weist die Organisation darauf hin, dass jeder Fall einzig sei und die Handreichung keine Garantie für eine Suizidvermeidung geben könne. Sie diene dem Zweck, eine grundlegende Haltung zu vermitteln.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge sind für Gespräche zum Thema Suizid geschult. Über 55.000 Mal wurde im Jahr 2017 in den Gesprächen Suizidalität angesprochen. Im Chat bedeutet das 20 % aller Kontakte, telefonisch sind es rund 1,9 %. „Suizidalität anzusprechen ist sowohl für die Betreffenden als auch deren Angehörige nicht einfach. Die einen möchten nicht belasten, andere haben Angst etwas Falsches zu sagen und für einige ist es schlicht ein Thema, über das man nicht spricht. Deshalb möchten wir die Gesellschaft sensibilisieren und auch den Angehörigen konkrete Unterstützung bieten. Denn auch die Angehörigen haben eine schwere Last zu tragen“, begründet Belzner die Handreichung für Angehörige von Suizidalität.

Mit mehr als 7500 geschulten Ehrenamtlichen in 105 Stellen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Über vier Wege ist die TelefonSeelsorge zu erreichen: Telefon, Webmail, Chat und in einigen Stellen mit Vor Ort-Beratung. Als eine der ersten Suizidpräventions-Maßnahmen deutschlandweit wurde die TelefonSeelsorge 1956 gegründet. Um den Zugang möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, steht sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Die Seelsorge ist ideologisch, konfessionell und politisch neutral. 2017 gab es 1,4 Mio. Telefonate, 33.700 Vor-Ort-Gespräche, 32.000 Mailkontakte und 10.800 Chats.  

Die TelefonSeelsorge ist unter den Nummern 0800 – 111 0 111 und0800 – 111 0 222 rund um die Uhr gebührenfrei erreichbar

 

#ThereIsHelp: Offizieller Twittertweet zur Suizidprävention

Am 10.09. launcht der Social Media-Dienst Twitter europaweit folgendenTweet: "Wenn du oder jemand, den oder die du kennst, eine harte Zeit durchmacht:
Unser Partner, die TelefonSeelsorge kann kostenfrei und anonym helfen: www.telefonseelsorge.de oder kostenfrei unter 0800/111 0 111 bzw. 0800/111 0 222". Dieser Text wird eingeblendet, sobald Hashtags gesucht oder genutzt werden, die auch im suizidalen Kontexte Anwendung finden. In Deutschland geschiet dies beispielsweise bei #ritzen, #selbsthass oder #suizidgedanken. Die TelefonSeelsorge als Partner beabsichtigt, Menschen unmittelbar in der Krise zu einem Gespräch einzuladen und damit im entscheidenden Moment ins Bewusstsein der gefährdeten Personen zu dringen.

Twitter launcht diesen Tweet auch in anderen Staaten Europas und erschafft so ein Netz der Versorgung in seelischen Krisen.

 

Handreichung für Angehörige von Suizidgefährdeten

Bitte machen Sie sich bewusst, dass die folgenden Punkte ausschließlich Hinweise sind, wie im Fall von Suizidankündigungen vorgegangen werden kann. Da es bislang keine 100% verlässliche Methoden zur Abwendung von Suiziden gibt und alle Fälle ihre Besonderheiten haben, können die folgenden Punkte nicht den Einzelfall abbilden oder gar verhindern, dass eine Person sich suizidiert. Sie können aber zur Gesamtsituation beitragen und helfen, ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen, in dem Alternativen zum Suizid vorstellbar werden.

1. Nehmen Sie die Person ernst, die sich Ihnen anvertraut hat und von ihren Suizidgedanken berichtet.

2. Nehmen Sie auch die Gedanken ernst, die dahinter liegen. Verharmlosung oder gar Spott helfen nicht.

3. Hören Sie zu.

4. Sie dürfen im Gespräch mit der betreffenden Person ruhig nachfragen, ob Sie alles richtig verstanden haben.

5. Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht verantwortlich sind und es auch nicht werden können.

6. Vermeiden Sie pauschale Ratschläge wie „Das wird schon wieder“.

7. Helfen Sie der betreffenden Person, andere Blickwinkel einzunehmen. (Dabei bitte immer Punkt 1 und 2 beachten)

8. Verlieren Sie sich selbst nicht aus dem Blick. Sie sind ebenso wichtig, wie ihr Gegenüber.

9. Denken Sie an die Hilfsangebote wie beispielsweise die TelefonSeelsorge, örtliche Einrichtungen oder Anlaufstellen. Nehmen Sie die Unterstützung in Anspruch. Siehe: suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/fuer-betroffene-und-angehoerige/

10. Im akuten Fall wenden Sie sich an die Polizei. Tel: 110.

 

 

Eindrücke vom 101. Katholikentag in Münster!!

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Stand der TelefonSeelsorge und im intensiven Austausch mit Rita Hülskemper (TS Münster), Bernd Wagener (TS Siegen)  und Ludger Storch (TS Bochum).

 

 

Frieden kann man nicht allein!!

Unsere Veranstaltung "Frieden kann man nicht allein" im Parkhaus Engelenschanze fand am 11.5. ab 21 Uhr mit Texten aus unserer Arbeit und Musik von den Kanzelschwalben aus Gescher statt.

Ca.120 Gäste hatten sich bei gutem Wetter auf der oberen Etage des Parkhauses in der Engelenschanze eingefunden. Irmhild Willenbrink und Florian Bender gaben den Texten der Anrufenden ihre Stimme. Eine sehr beeindruckende Atmosphäre!!

 

 

Unser Jahresbericht 2017 ist da!!

"Wir sind wieder (besser) erreichbar", das ist das Fazit, das Rita Hülskemper, Leiterin der TS Münster, aus der Analyse des Jahres 2017 zieht. "Die regionale Zuordnung der Anrufenden ist endlich technisch umgesetzt".

Damit hat der "Telefontourismus" ein Ende gefunden: die missbräuchlichen Anrufe bei der TS Münster wie auch bundesweit gehen deutlich zurück. Das allein wäre ja schon ein großer Erfolg, aber damit nicht genug: Gleichzeitig stiegen die Seelsorge- und Beratungsgespräche entsprechend an!

"Wir haben in den letzten Jahren immer wieder gehört, von Beratungsstellen, Kooperationspartnern und auch von Anrufenden selbst, wie schwer es war, uns zu erreichen!", ergänzt Thomas Kamm, stellvertretender Leiter der TS Münster, "jetzt ist die Chance aber wieder hoch, zumal tagsüber."

Das und anderes lesen Sie im JAHRESBERICHT