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Die TelefonSeelsorge Münster sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine neue Leitung in der Nachfolge von Rita Hülskemper. Wir freuen uns über aussagekäftige Bewerbungen!

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TelefonSeelsorge feiert 25 + 1 Jahre Online-Seelsorge

Berlin/Dortmund, 2. November 2021 –Seit über 25 Jahren bietet die TelefonSeelsorge Deutschland auch Online-Krisenberatung. Das wurde am zurückliegenden Wochenende gefeiert. Corona-bedingt fand die Fachtagung mit einem Jahr Verspätung statt.

 

„Als wir 1995 mit der Mail-Beratung anfingen, hatten wir ein Ziel: wir wollten denjenigen ein Angebot machen, die wir über das Telefon kaum erreicht haben: jung, männlich, technikaffin und im Internet unterwegs“, erinnert sich Birgit Knatz, Leiterin der TelefonSeelsorge Hagen-Mark. Dort, ebenso wie in Krefeld und Köln, wurden damals die ersten Mails empfangen und verschickt. „Es war relativ abenteuerlich: längst nicht alle Beratenden hatten schon eigene PCs, geschweige denn einen E-Mail-Account. So wurden die eingegangenen Mails ausgedruckt, an die Berater und Beraterinnen geschickt und von ihnen handschriftlich beantwortet. Diese Texte wurden dann in den Dienststellen in die Antwortmail getippt.“

 

Die Online-Beratung, zu der sich auch der Chat gesellt hat, ist längst professionalisiert. In rund zwei Drittel aller TelefonSeelsorge-Stellen wird sie angeboten und ist Teil der Ausbildung. TelefonSeelsorge garantiert bei den Online-Angeboten wie am Telefon maximale Anonymität. Nach wie vor sind es insbesondere die Jüngeren, die sich über diese Medien Begleitung in Krisen suchen. Während der Pandemie wurden viele zusätzliche Chats angeboten und genutzt.

 

„Das alles ist ein Grund, zu feiern und zugleich zu schauen, wo wir mit der Online-Seelsorge stehen“, erklärt Gunhild Vestner, Leiterin der Dienststelle in Recklinghausen und stellvertretende Vorsitzende von TelefonSeelsorge Deutschland e.V., dem Dachverband der TelefonSeelsorge-Stellen. „Deshalb haben wir als Jubiläumsprogramm eine Mischung aus Vorträgen, Workshops und Ruhrgebietskultur entwickelt, das bei unseren Haupt- und Ehrenamtlichen offensichtlich gut angekommen ist. Ohne sie gäbe es keine Online-Seelsorge, ihnen wollten wir mit dieser Tagung Dankeschön sagen.“

 

Wie kann ein Online-Dialog gelingen? Das war die Frage, die Birgit Knatz in ihrer Keynote stellte und beantwortete: durch Wertschätzung des Gegenübers, durch Würdigung des benannten Problems und durch ein gemeinsames Bearbeiten, das die Lösungskompetenz beider Seiten nutzt. „Letztlich ist erfolgreiche Beratung immer ein Dialog auf Augenhöhe“, sagt Birgit Knatz. Es folgten Workshops und weitere Vorträge, die die Thematik vertieften. Die Poetry-Slammerin Jule Weber begleitete den Fachtag mit eigenen Texten, deren sprachliche Präzision, Rhythmik und emotionale Tiefe bei den Zuhörerinnen und Zuhörern Begeisterung auslösten.

 

Mit der Online-Seelsorge erreicht TelefonSeelsorge nicht nur eine jüngere Zielgruppe, sie ermöglicht auch einen unkomplizierten Kontakt aus dem Ausland. „Wir haben immer wieder Online-Kontakte mit Menschen, die im Ausland leben und dort seelische Unterstützung brauchen“, erzählt Martina Rudolph-Zeller, Stellenleiterin in Stuttgart und Sprecherin der Fachgruppe Mail und Chat bei der TelefonSeelsorge. „Oft sind das Studierende im Auslandssemester, die Probleme haben, Anschluss zu finden oder schlicht Heimweh haben. Die Eltern und Freunde wollen sie damit nicht belasten, ein Chat mit TelefonSeelsorge kann da Druck abbauen und wieder Mut machen.“

 

Die Online-Seelsorge ist ein Erfolgsmodell, das in der Krisenberatung längst unverzichtbar geworden ist. Martina Rudolph-Zeller fasst es so zusammen: „Die Menschen müssen uns dort erreichen können, wo sie sind. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie in jedem Medium von uns vorurteilsfrei und wertschätzend und unter Wahrung ihrer Anonymität beraten werden.“

Eine Briefmarke zum 65. Geburtstag der TelefonSeelsorge Deutschland

TelefonSeelsorge-Nummer als Sonderbriefmarke
Bundesministerium der Finanzen würdigt Engagement an den Nächsten

 

Berlin, 17. August 2021 – Im Jahr ihres 65-jährigen Bestehens erfährt die TelefonSeelsorge eine besondere Wertschätzung. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) gibt die Telefonnummer 0800-111-0-111 als Sonderbriefmarke heraus. Erstverkaufstag für die 80-Cent-Briefmarke ist der 2. September.

„Wir freuen uns sehr, denn das ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit für die Menschen von Politik und Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt wird“, sagt Pfarrer Frank Ertel, gemeinsam mit dem Pastoraltheologen Michael Hillenkamp Vorsitzender des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge. „Die Briefmarke ist ästhetisch gelungen – und sie beinhaltet nicht nur unsere Rufnummer, sondern auch unser Online-Angebot. Gerade damit erreichen wir in der Pandemie die in vieler Hinsicht besonders betroffenen jungen Menschen.“ So sei etwa der Anteil männlicher 15- bis 19-Jähriger an den Mail- und Chatkontakten gegenüber der Zeit vor der Pandemie um 90 Prozent gestiegen.

Die Präsentation der Briefmarke fand in den Räumen der Diakonie Deutschland statt. Diakonie-Finanzvorstand Dr. Jörg Kruttschnitt begrüßte die Anwesenden, allen voran Staatssekretär Dr. Rolf Bösinger, BMF. Durch die Briefmarke werde TelefonSeelsorge sichtbar – und damit für weitere Menschen als Angebot erfahrbar.

Staatssekretär Dr. Bösinger überbrachte Grüße des Bundesfinanzministers Olaf Scholz. Auch er betonte die Bedeutung der TelefonSeelsorge in Corona-Zeiten. Für viele Menschen sei gerade jetzt die Unterstützung durch Außenstehende wichtig geworden. „Da es sich um eine 80-Cent-Marke handelt, also um das Standardbrief-Wertzeichen, ist sichergestellt, dass diese Marke mit ihrer Botschaft wirklich sehr breit wahrgenommen wird. Sie wird am 2. September in einer Auflage von knapp 3,4 Millionen Exemplaren in die Verkaufsstellen der Deutschen Post AG kommen.“

Für die rund 50 Sonderpostwertzeichen, die jährlich herausgegeben werden, gibt es jeweils mehrere Hundert Themenbewerbungen. Die Auswahl obliegt einem Programmbeirat, über die grafische Qualität der Umsetzung des Themas entscheidet ein Kunstbeirat. Etwa 100 Grafikerinnen und Grafiker stehen für die Umsetzung der Motive zur Verfügung, jeweils sechs bis acht von ihnen erstellen zu einem Thema Entwürfe, unter denen dann die Entscheidung fällt. Die Sonderbriefmarke „TelefonSeelsorge“ gestaltete die Nürnberger Grafikerin Elisabeth Hau.

In seiner Dankesrede würdigte Oberkirchenrat Joachim Ochel, Theologischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der EKD, nicht nur die gelungene Gestaltung und die Wertschätzung des Ministers, sondern auch die unkomplizierte und pragmatische Zusammenarbeit zwischen Ministerium und kirchlicher Institution.

KrisenKompass- App etabliert sich

– Der „KrisenKompass“ der Telefonseelsorge hat sich als ein weiterer Baustein der Krisenintervention etabliert. Rund ein Jahr nach Freigabe der App bei Google Play und im App Store liegen die aktuellen Downloadzahlen des „Notfallkoffers für die Hosentasche“ im März bei je etwa 11.000. „Es war natürlich ein Zufall, dass wir den KrisenKompass fast zeitgleich mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 fertiggestellt haben“, sagt Dr. Stefan Schumacher, Leiter der Telefonseelsorge Hagen-Mark und einer der Initiatoren der App. „Im Nachhinein stellen wir fest: er hätte gar nicht passender kommen können. Denn inzwischen wissen wir, dass depressive Stimmungen und Suizidgedanken in der Krise zugenommen haben oder jedenfalls deutlich häufiger von unseren Kontakten am Telefon, per Mail oder Chat genannt werden, als vor der Pandemie. Genau bei solchen Gefühlslagen kann der KrisenKompass Hilfe bieten.“

Die App richtet sich an drei Gruppen: an Menschen, die sich deprimiert fühlen oder bereits Suizidgedanken haben, an Menschen, die bei Angehörigen oder im Freundschaftsumfeld solche Stimmungen wahrnehmen und an Menschen, die durch den Suizid einer ihnen nahestehenden Person belastet sind. Sie bietet Hilfen zur Einordnung der als quälend empfundenen Gefühle, vermittelt Fakten rund um diese Gefühlslage und zeigt, wie sich Krisen meistern und Kraftquellen aufbauen lassen. Wechselseitige Verstärkung über verschiedene Kommunikationswege „Wir bekommen positive Rückmeldungen zum KrisenKompass interessanterweise sehr oft von unseren Beraterinnen und Beratern am Telefon und bei der Chat- und Mailberatung“, konstatiert Rita Hülskemper, die die Telefonseelsorge-Stelle in Münster leitet und ebenfalls an der Konzeption des KrisenKompass mitgearbeitet hat. „Das deutet daraufhin, dass auf den Download oft in einem nächsten Schritt die Kontaktaufnahme zu einem Gegenüber erfolgt, sodass die emotionale Situation dann auch im Dialog bearbeitet werden kann.“ „Und umgekehrt empfehlen unsere Ehrenamtlichen den KrisenKompass auch an ihre Kontakte“, fügt Bernhard Wagener hinzu, stellvertretender Dienststellenleiter in Siegen und Dritter im Bund des KrisenKompass-Teams. „Insgesamt ergänzt die App damit unser Unterstützungsangebot perfekt und ist gerade durch ihre Niederschwelligkeit ein Einstieg in die Kommunikation über dieses schwierige Thema.“ .

Selbstverständlich gäbe es auch Kritik, etwa an mangelnder Barrierefreiheit der App. Dies sei für das Entwickler-Team ein Ansporn, sie weiter zu optimieren. Hauptsächliche Nutzung durch Betroffene und im Freundschaftsumfeld. Von den drei angesprochenen Zielgruppen nutzen nach den vorliegenden Erkenntnissen – die allerdings nicht auf systematisch erfassten statistischen Daten beruhen – an erster Stelle persönlich Betroffene den KrisenKompass. „Aber auch Freundinnen und Freunde, die sich Sorgen machen, geben uns Rückmeldungen“, so noch einmal Rita Hülskemper. Nur relativ wenig ließe sich über die Gruppe der von einem Suizid im eigenen Umfeld Betroffenen aussagen. „Hier gibt es bisher nur vereinzelte Rückmeldungen, dass über den KrisenKompass ein Gesprächs-, Mail oder Chat-Kontakt zustande kam.“ Insgesamt freuen sich die Team-Mitglieder über das Erreichte. „Unsere Vermutung, dass auch über dieses Medium Beratung und Unterstützung in seelischen Krisen möglich und notwendig ist, hat sich bestätigt“, betont Stefan Schumacher. „Jetzt müssen wir dafür Sorge tragen, dass noch mehr Menschen diese Möglichkeit der Unterstützung durch Selbsthilfe kennen und bei Bedarf nutzen.“

Jahresbericht 2020: Steigerung der Mailberatung, Telefonate über das Jahr hinweg auf Vorjahresniveau

Die nun vorliegende Auswertung der Zahlen für das Jahr 2020 bestätigt den bundesweiten Trend der TelefonSeelsorge (R) Deutsch-land. Auch im Einzugsbereich der TelefonSeelsorge (R) Münster stieg die Zahl der Mailberatungen deutlich an. "Die Mailberatung wird von deutlich jüngeren Menschen genutzt als das Telefon", so Rita Hülskemper, Leiterin der TelefonSeelsorge in Münster. "Wir werden dies weiter ausbauen, um so auch dieser Zielgruppe stärker als bisher gerecht zu werden." Etwas überraschend waren die Zahlen der Anrufe. "Damit sind wir etwa auf Vorjahresniveau, hatten aber zu Beginn der Pandemie und der vorgenommenen Kontaktbeschränkungen im März bis zu 40% mehr Anrufe als in anderen Jahren". Hier zeigt sich über das Jahr hinweg, dass sich die Menschen mit den Herausforderungen arrangiert hatten. In der Mailberatung lässt die hohe Zahl von Themen wie Suizid/Suizidale Gedanken deutlich aufhorchen. Die TelefonSeelsorge(R) Deutschland hat auf diese Entwicklung schon im letzten Jahr mit dem "KrisenKompass" reagiert. Bis heute gibt es über 20.000 Downloads in aktiver Nutzung.

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