Eine Briefmarke zum 65. Geburtstag der TelefonSeelsorge Deutschland

TelefonSeelsorge-Nummer als Sonderbriefmarke
Bundesministerium der Finanzen würdigt Engagement an den Nächsten

 

Berlin, 17. August 2021 – Im Jahr ihres 65-jährigen Bestehens erfährt die TelefonSeelsorge eine besondere Wertschätzung. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) gibt die Telefonnummer 0800-111-0-111 als Sonderbriefmarke heraus. Erstverkaufstag für die 80-Cent-Briefmarke ist der 2. September.

„Wir freuen uns sehr, denn das ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit für die Menschen von Politik und Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt wird“, sagt Pfarrer Frank Ertel, gemeinsam mit dem Pastoraltheologen Michael Hillenkamp Vorsitzender des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge. „Die Briefmarke ist ästhetisch gelungen – und sie beinhaltet nicht nur unsere Rufnummer, sondern auch unser Online-Angebot. Gerade damit erreichen wir in der Pandemie die in vieler Hinsicht besonders betroffenen jungen Menschen.“ So sei etwa der Anteil männlicher 15- bis 19-Jähriger an den Mail- und Chatkontakten gegenüber der Zeit vor der Pandemie um 90 Prozent gestiegen.

Die Präsentation der Briefmarke fand in den Räumen der Diakonie Deutschland statt. Diakonie-Finanzvorstand Dr. Jörg Kruttschnitt begrüßte die Anwesenden, allen voran Staatssekretär Dr. Rolf Bösinger, BMF. Durch die Briefmarke werde TelefonSeelsorge sichtbar – und damit für weitere Menschen als Angebot erfahrbar.

Staatssekretär Dr. Bösinger überbrachte Grüße des Bundesfinanzministers Olaf Scholz. Auch er betonte die Bedeutung der TelefonSeelsorge in Corona-Zeiten. Für viele Menschen sei gerade jetzt die Unterstützung durch Außenstehende wichtig geworden. „Da es sich um eine 80-Cent-Marke handelt, also um das Standardbrief-Wertzeichen, ist sichergestellt, dass diese Marke mit ihrer Botschaft wirklich sehr breit wahrgenommen wird. Sie wird am 2. September in einer Auflage von knapp 3,4 Millionen Exemplaren in die Verkaufsstellen der Deutschen Post AG kommen.“

Für die rund 50 Sonderpostwertzeichen, die jährlich herausgegeben werden, gibt es jeweils mehrere Hundert Themenbewerbungen. Die Auswahl obliegt einem Programmbeirat, über die grafische Qualität der Umsetzung des Themas entscheidet ein Kunstbeirat. Etwa 100 Grafikerinnen und Grafiker stehen für die Umsetzung der Motive zur Verfügung, jeweils sechs bis acht von ihnen erstellen zu einem Thema Entwürfe, unter denen dann die Entscheidung fällt. Die Sonderbriefmarke „TelefonSeelsorge“ gestaltete die Nürnberger Grafikerin Elisabeth Hau.

In seiner Dankesrede würdigte Oberkirchenrat Joachim Ochel, Theologischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der EKD, nicht nur die gelungene Gestaltung und die Wertschätzung des Ministers, sondern auch die unkomplizierte und pragmatische Zusammenarbeit zwischen Ministerium und kirchlicher Institution.

1000€ Spende an die TelefonSeelsorge Münster!

Eine große finanzielle Anerkennung erhielt die  TelefonSeelsorge Münster für ihre Arbeit in der Corona-Epidemie.

Daniela Heitkamp hatte sich von den Berichten über die TelefonSeelsorge angespro- chen gefühlt und Kontakt mit uns aufgenommen. Ihr Arbeitgeber, die PSD Bank Westfalen-Lippe eG, bietet seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit, einen von ihnen vorgeschlagenen Verein oder eine gemeinnützige Einrichtung mit einer Spende zu unterstützen. Frau Heitkamp schlug die TelefonSeelsorge Münster vor, die PSD-Bank folgte ihrem Vorschlag und spendete 1000€. Klaus Baune, stellvertretender Sprecher der Ehrenamtlichen, freute sich sichtlich: „Was für eine tolle Idee und was für eine Anerkennung unseres Engagements.“ Bei einem persönlichen Treffen in der Geschäftsstelle informierte sich Frau Heitkamp über die Arbeit der Ehrenamtlichen und machte noch einmal ihre Motivation deutlich: „Das Telefon war während der gesamten Zeit besetzt, Tag und Nacht, 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche. Was für ein Engagement! Das hat mich sehr motiviert, die TelefonSeelsorge Münster vorzuschlagen.“

Uns hat Frau Heitkamp mit ihrer Idee eine sehr große Freude gemacht, wir werden diese Summe für Fortbildungen unserer Ehrenamtlichen im Herbst verwenden. Einen sehr herzlichen Dank an Frau Heitkamp und die PSD-Bank Westfalen-Lippe e.G.

Sybille Benning MdB im Gespräch mit Rita Hülskemper und Jutta Gladen von der TelefonSeelsorge Münster

"Der Einsatz der Ehrenamtlichen der Telefon- Seelsorge geht weit über das hinaus, was Ehrenamt für gewöhnlich bedeutet", betonte die CDU-Bundestags- abgeordnete Sybille Benning bei ihrem Besuch der TelefonSeelsorge Münster. Die Zahl der Anrufer hat sich erhöht, die Themen sind vielfältiger geworden - im Gespräch mit der CDU-Bundestagsabgeordneten informierten Rita Hülskemper als Leiterin und Jutta Gladen als hauptamtliche Mitarbeiterin über ihre Arbeit zu Corona-Zeiten. Bis zu 30 Prozent mehr Anrufe verzeichnete die Geschäftsstelle der TelefonSeelsorge in Münster insbesondere zu Beginn der Pandemie. "Auf einmal waren Kontakte zu Familie, Freunden oder Kollegen eingeschränkt. Einsamkeit, Sorgen um die Gesundheit und vor den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie treiben noch immer viele Menschen um", berichtete Rita Hülskemper. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde daher das Team der Ehrenamtlichen um weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger verstärkt. "Einsamkeit und Isolation machen den Menschen auf die Dauer krank. Gut, dass es Beratungsstellen gibt, an die sich ratsuchende Menschen mit ihren Sorgen und Nöten wenden können", zeigte sich Sybille Benning dankbar für die Arbeit der Ehrenamtlichen, die in den vergangenen Monaten häufig auch mehr Dienste übernommen haben als sonst.

Einig waren sich Sybille Benning und die Mitarbeiterinnen der TelefonSeelsorge darin, dass die gemachten Erfahrungen aus dieser Krise wichtig für die Zukunft sein können. "Die komplette Gesellschaft musste in den vergangenen Monaten improvisieren, eine Situation wie die Aktuelle kannten wir alle nicht", stellte Jutta Gladen fest. Das habe natürlich auch dazu geführt, dass Dinge im Nachhinein vielleicht anders gemacht worden wären: "Fehler passieren in so einer Situation. Wichtig ist nun, dass wir aus dieser Zeit lernen. Dann können wir in der nächsten Krise direkt anders reagieren." Das unterstrich auch Sybille Benning: "In jedem Arbeitsfeld gibt es "lessons learned", also Erkenntnisse, die wir durch die Pandemie gewonnen haben. Es wird entscheidend sein, dass wir uns über die gemachten Erfahrungen austauschen und festhalten, was in Zukunft anders laufen muss." Denkbar sei beispielsweise ein runder Tisch, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Beratungsstellen treffen. Über die Umsetzung will sich die Bundestagsabgeordnete weiter mit den Mitarbeiterinnen der TelefonSeelsorge austauschen.

 

KrisenKompass- App etabliert sich

– Der „KrisenKompass“ der Telefonseelsorge hat sich als ein weiterer Baustein der Krisenintervention etabliert. Rund ein Jahr nach Freigabe der App bei Google Play und im App Store liegen die aktuellen Downloadzahlen des „Notfallkoffers für die Hosentasche“ im März bei je etwa 11.000. „Es war natürlich ein Zufall, dass wir den KrisenKompass fast zeitgleich mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 fertiggestellt haben“, sagt Dr. Stefan Schumacher, Leiter der Telefonseelsorge Hagen-Mark und einer der Initiatoren der App. „Im Nachhinein stellen wir fest: er hätte gar nicht passender kommen können. Denn inzwischen wissen wir, dass depressive Stimmungen und Suizidgedanken in der Krise zugenommen haben oder jedenfalls deutlich häufiger von unseren Kontakten am Telefon, per Mail oder Chat genannt werden, als vor der Pandemie. Genau bei solchen Gefühlslagen kann der KrisenKompass Hilfe bieten.“

Die App richtet sich an drei Gruppen: an Menschen, die sich deprimiert fühlen oder bereits Suizidgedanken haben, an Menschen, die bei Angehörigen oder im Freundschaftsumfeld solche Stimmungen wahrnehmen und an Menschen, die durch den Suizid einer ihnen nahestehenden Person belastet sind. Sie bietet Hilfen zur Einordnung der als quälend empfundenen Gefühle, vermittelt Fakten rund um diese Gefühlslage und zeigt, wie sich Krisen meistern und Kraftquellen aufbauen lassen. Wechselseitige Verstärkung über verschiedene Kommunikationswege „Wir bekommen positive Rückmeldungen zum KrisenKompass interessanterweise sehr oft von unseren Beraterinnen und Beratern am Telefon und bei der Chat- und Mailberatung“, konstatiert Rita Hülskemper, die die Telefonseelsorge-Stelle in Münster leitet und ebenfalls an der Konzeption des KrisenKompass mitgearbeitet hat. „Das deutet daraufhin, dass auf den Download oft in einem nächsten Schritt die Kontaktaufnahme zu einem Gegenüber erfolgt, sodass die emotionale Situation dann auch im Dialog bearbeitet werden kann.“ „Und umgekehrt empfehlen unsere Ehrenamtlichen den KrisenKompass auch an ihre Kontakte“, fügt Bernhard Wagener hinzu, stellvertretender Dienststellenleiter in Siegen und Dritter im Bund des KrisenKompass-Teams. „Insgesamt ergänzt die App damit unser Unterstützungsangebot perfekt und ist gerade durch ihre Niederschwelligkeit ein Einstieg in die Kommunikation über dieses schwierige Thema.“ .

Selbstverständlich gäbe es auch Kritik, etwa an mangelnder Barrierefreiheit der App. Dies sei für das Entwickler-Team ein Ansporn, sie weiter zu optimieren. Hauptsächliche Nutzung durch Betroffene und im Freundschaftsumfeld. Von den drei angesprochenen Zielgruppen nutzen nach den vorliegenden Erkenntnissen – die allerdings nicht auf systematisch erfassten statistischen Daten beruhen – an erster Stelle persönlich Betroffene den KrisenKompass. „Aber auch Freundinnen und Freunde, die sich Sorgen machen, geben uns Rückmeldungen“, so noch einmal Rita Hülskemper. Nur relativ wenig ließe sich über die Gruppe der von einem Suizid im eigenen Umfeld Betroffenen aussagen. „Hier gibt es bisher nur vereinzelte Rückmeldungen, dass über den KrisenKompass ein Gesprächs-, Mail oder Chat-Kontakt zustande kam.“ Insgesamt freuen sich die Team-Mitglieder über das Erreichte. „Unsere Vermutung, dass auch über dieses Medium Beratung und Unterstützung in seelischen Krisen möglich und notwendig ist, hat sich bestätigt“, betont Stefan Schumacher. „Jetzt müssen wir dafür Sorge tragen, dass noch mehr Menschen diese Möglichkeit der Unterstützung durch Selbsthilfe kennen und bei Bedarf nutzen.“

Jahresbericht 2020: Steigerung der Mailberatung, Telefonate über das Jahr hinweg auf Vorjahresniveau

Die nun vorliegende Auswertung der Zahlen für das Jahr 2020 bestätigt den bundesweiten Trend der TelefonSeelsorge (R) Deutsch-land. Auch im Einzugsbereich der TelefonSeelsorge (R) Münster stieg die Zahl der Mailberatungen deutlich an. "Die Mailberatung wird von deutlich jüngeren Menschen genutzt als das Telefon", so Rita Hülskemper, Leiterin der TelefonSeelsorge in Münster. "Wir werden dies weiter ausbauen, um so auch dieser Zielgruppe stärker als bisher gerecht zu werden." Etwas überraschend waren die Zahlen der Anrufe. "Damit sind wir etwa auf Vorjahresniveau, hatten aber zu Beginn der Pandemie und der vorgenommenen Kontaktbeschränkungen im März bis zu 40% mehr Anrufe als in anderen Jahren". Hier zeigt sich über das Jahr hinweg, dass sich die Menschen mit den Herausforderungen arrangiert hatten. In der Mailberatung lässt die hohe Zahl von Themen wie Suizid/Suizidale Gedanken deutlich aufhorchen. Die TelefonSeelsorge(R) Deutschland hat auf diese Entwicklung schon im letzten Jahr mit dem "KrisenKompass" reagiert. Bis heute gibt es über 20.000 Downloads in aktiver Nutzung.

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