Telefonseelsorge ist bundesweit die Nr. 1 unter Sorgentelefonen

2014: 90.000 Anrufe bei Telefonseelsorge im Bistum Münster

 

Münster (pbm). Die Telefonseelsorge, ein Angebot der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland, ist die meistgewählte Nummer im Feld der Telefonberatungen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO) in Münster, deren Ergebnisse nun vorliegen. 2014 wurden bundesweit von der Telefonseelsorge über 1,8 Millionen Anrufe entgegengenommen – allein im Bistum Münster waren es, wie Thomas Kamm, Diözesanbeauftragter für die Telefonseelsorge, berichtet, rund 90.000 Anrufe im vergangenen Jahr.

Nach Angaben von Professor Dr. Martin Klein von der KatHo in Münster, der die Auswertung der fast zwei Millionen Gespräche leitete, sind häufig psychische Erkrankungen und vor allem der Gedanke, sich das Leben nehmen zu wollen, Gründe für einen Anruf. Über 57.000 Gespräche seien bundesweit zum Thema Suizid geführt, viele davon mit chronisch kranken Menschen, betont er. Die Telefonseelsorge übernehme mit der Unterstützung von Menschen, die keinen Lebenswillen mehr hätten, eine wichtige ergänzende Funktion im Gesundheitssystem. Die häufig nicht ausreichende Versorgungslage psychisch kranker Menschen in Deutschland führe dazu, dass Institutionen wie die Telefonseelsorge phasenweise oder über einen langen Zeitraum eine zentrale Instanz in der Begleitung dieser Menschen seien.

Das bestätigt auch Thomas Kamm. An die meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vier Telefonseelsorge-Stellen im Bistum Münster wendeten sich Anruferinnen und Anrufer häufig, wenn sie Ängste hätten, niedergeschlagen seien oder sich einsam und isoliert fühlten. Oft gehe es auch um Probleme in familiären oder anderen Beziehungen, aber auch um Sorgen hinsichtlich des körperlichen Befindens. Diese Erfahrungen im Bistum Münster decken sich wiederum mit den bundesweiten Erkenntnissen. Die Studie zeigt, dass fast 65 Prozent der Anrufer allein leben. Oft sei, so heißt es, die Telefonseelsorge einer der wenigen Kontakte dieser Menschen, von denen viele das Angebot regelmäßig nutzten. Gerade auch ältere alleinlebende Männer gehörten zunehmend zu den Anrufern. Meist, so schildert Kamm seine Erfahrungen, riefen die Ratsuchenden in den Abendstunden „nach Feierabend“ bis gegen Mitternacht an. Durchschnittlich dauerten die Telefonate 15 bis 20 Minuten.

Der Münsteraner Diözesanbeauftragte zeigt sich insbesondere überrascht und erschrocken von dem Ergebnis der Studie, dass die Anzahl junger Menschen, die Hilfe bei der Telefonseelsorge suchen, auffallend hoch ist. Auch in diesen Telefonaten, so geht aus der Untersuchung hervor, werden zunehmend Suizidabsichten geäußert, fast immer auf dem Hintergrund von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalterfahrung. Die Telefonseelsorge werde von den jungen Anrufern als niedrigschwellige Einrichtung genutzt und dabei oft auch Angeboten vorgezogen, die auf junge Menschen spezialisiert seien, heißt es. Oft handele es sich dabei um Anrufer, so lautet die Erkenntnis in der Studie, die im Gesundheitssystem noch keine feste Anlaufstelle hätten.

Die Telefonseelsorge ist bundesweit erreichbar unter den Nummern: 0800-1110111 und 0800-1110222. Unter www.telefonseelsorge.de gibt es zudem Informationen zu einer Mail- oder einer Chatberatung. Kosten entstehen den Ratsuchenden nicht. Die Deutsche Telekom trägt sämtliche Gebühren für die unter den beiden Sondernummern geführten Telefongespräche. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt die Arbeit der Telefonseelsorge in Deutschland seit Jahren durch finanzielle Zuschüsse. Im Bistum Münster engagieren sich etwa 320 Frauen und Männer ehrenamtlich in der Telefonseelsorge, zudem gibt es ca. 10 Stellen für hauptamtliche Mitarbeiter/innen.

 

Link zur Studie: www.telefonseelsorge-muenster.de/downloads.html